KiK begrüßt Menschenrechtsaktivistin Nazma Akter

Sie engagiert sich für die Rechte der Frauen in den Fabriken und ist eine der bekanntesten Gewerkschafterinnen aus Bangladesch. Letzte Woche war Nazma Akter zu Gast in der KiK Zentrale. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um mit ihr über ihre persönliche Geschichte zu sprechen, über die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen und viele weitere Themen.

Nazma, Ihre persönliche Geschichte ist sehr interessant. Können Sie uns kurz erläutern, woher Ihre persönliche Verbindung zur Textilindustrie kommt?

Nazma Akter: Als ich elf Jahre alt war, habe ich angefangen in einer Textilfabrik in Bangladesch zu arbeiten. Schnell wurde mir klar, dass ich selbst etwas dafür tun muss, dass sich die Bedingungen in der Textilindustrie verbessern. Insbesondere Frauen waren und sind oft benachteiligt. Im Alter von 16 habe ich deshalb begonnen mich aktiv in Gewerkschaften zu engagieren.

Menschenrechsaktivistin und Gewerkschafterin Nazma Akter
Nazma Akter

Sie haben im Jahr 2003 die AWAJ Foundation gegründet. Was war Ihr Ziel?

Nazma Akter: Ich habe die AWAJ Stiftung gegründet, weil Gewerkschaften alleine nicht ausreichen. Durch die Stiftung können wir in Frauencafés einen geschützten Raum anbieten, dort können die Frauen ohne Hemmungen über ihre Probleme sprechen. Wir haben auch Doktor-Stationen, die die Frauen zur medizinischen Versorgung nutzen können. Außerdem können sich die Frauen in den Cafés nach der Arbeit spielerisch weiterbilden, denn die meisten sind nach den langen Tagen in der Fabrik zu müde, um unterrichtet zu werden. So können wir ihnen zeigen, welche Rechte sie haben.

Ihre Tochter absolviert aktuell ein Praktikum bei KiK. Warum arbeiten Sie so eng mit einem Wirtschaftsunternehmen zusammen?

Nazma Akter: Eine positive Entwicklung der Produktionsbedingungen in Bangladesch ist nur möglich, wenn alle Akteure an einem Strang ziehen. Um die Arbeitsbedingungen insbesondere von Frauen zu verbessern, spielen Wirtschaftsunternehmen eine wichtige Rolle. Durch die Arbeit haben die Frauen ein regelmäßiges Einkommen, werden somit unabhängig und können ihre eigenen Entscheidungen treffen. Die Wirtschaft, das heißt auch KiK, trägt essentiell dazu bei, dass Frauen in Bangladesch mehr Macht bekommen, das ist der Deal.

KiK ist unter anderem auch Mitglied des Accord for Fire and Building Safety in Bangladesch. Ein Branchenbündnis, welches nach dem Fabrikunglück Rana Plaza mit dem Ziel gegründet wurde, die Fabriken sicherer zu machen. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Nazma Akter: Der Accord war ein notwendiger erster Schritt und durch ihn wurde sehr viel erreicht. Er garantiert bestimmte Standards und hat viele Fabriken sehr viel sicherer gemacht als vorher. Der Accord umfasst jedoch nur einen Teil der Fabriken in Bangladesch, denn nicht alle Textilunternehmen sind Teil des Bündnisses und er umfasst auch keine Sozialstandards. Es gibt als noch viel zu tun.

Die Textilindustrie ist aktuell die größte und wichtigste Industrie in Bangladesch. Oft wird von einer zunehmenden Verlagerung von Textilproduktion nach Afrika gesprochen. Welche Rolle wird Ihrer Meinung nach die Textilindustrie in der Zukunft für Bangladesch spielen?

Nazma Akter: Die Textilindustrie wird auch zukünftig eine essentielle Rolle für unser Land spielen. Am wichtigsten ist die Weiterbildung der Arbeiter, denn je besser sie qualifiziert sind, desto höher ist die Produktivität und somit bleibt Bangladesch langfristig konkurrenzfähig. Ich sehe Bildung, als den Schlüssel für die weitere Entwicklung unseres Landes. Dadurch werden mehr Frauen ihre Rechte kennen und einfordern und es werden mehr Frauen in Führungspositionen vertreten sein. Generell sind in Bangladesch schon positive Veränderungen spürbar, beispielsweise soll dieses Jahr der Mindestlohn angehoben werden.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Gespräch genommen haben.

Informationen zu den sozialen Projekten, die von KiK unterstützt werden, finden Sie hier.