Sagen Sie mal, was ist eigentlich unter CSR zu verstehen?

iStock 652130988
iStock 652130988

KiK ist einer der führenden Textildiscounter Deutschlands. Alle Bereiche unseres unternehmerischen Handelns haben Auswirkungen auf die Menschen und die Umwelt. Corporate Social Responsibility ist ein eigenständiger Bereich mit rund 20 Mitarbeitern, der direkt der Geschäftsführung unterstellt ist. Die Schwerpunkte der Tätigkeit liegen vor allem im Bereich soziale Herstellungsbedingungen, Arbeitssicherheit, dem Standort- sowie dem Umweltmanagement. Wir haben mit Ansgar Lohmann, Bereichsleiter CSR über die Aufgaben des Bereichs gesprochen.

Ansgar Lohmann 2

KiK: Können Sie konkrete Beispiele für die tägliche Arbeit des CSR Bereichs geben?
Ansgar Lohmann: Die Themen sind sehr vielfältig – und reichen von Umweltmanagement und Emissionsbilanzierung hin zu Fragen der Produktionsbedingungen und der Transparenz in der Lieferkette. So kümmern wir uns beispielsweise darum, dass unsere Zulieferfabriken nach unseren Standards produzieren und regelmäßig auditiert sowie weitergebildet werden. Auch die Abschaffung der Plastiktüten oder die Mitgliedschaft im Textilbündnis sind Themen,
die in unserer Abteilung verortet sind.

KiK: Was versteht KiK unter Nachhaltigkeit?
Ansgar Lohmann: Wir arbeiten dann nachhaltig, wenn es uns gelingt, soziale, ökologische und ökonomische Anforderungen miteinander zu vereinbaren. Als führender Textilhändler verfolgen wir einerseits eine Wachstumsstrategie und wollen weiter expandieren. Andererseits ist es uns wichtig, die durch unsere Handelstätigkeit entstehenden Umweltbelastungen zu verringern und Ressourcen zu schonen. Dies erklärt, warum wir für den Transport Fährschiffe und nicht Flugzeuge nutzen oder warum wir Plastiktüten aus unseren Filialen verbannt haben. Für jedes Unternehmen sind die Mitarbeiter entscheidend – seien sie in Bönen, in den Filialen oder auch als Beschäftigte in unseren Produktionsländern für uns tätig. Wir kümmern uns um ihre Weiterentwicklung und Qualifizierung, wir bieten Ausbildungsplätze, und wir setzen uns dafür ein, dass in den Fabriken soziale und arbeitsrechtliche Mindeststandards eingehalten werden. In Deutschland wie in Asien unterstützen wir soziale Projekte, die den Menschen vor Ort zugutekommen.

KiK: Ist CSR ein Must oder ein Nice to have?
Ansgar Lohmann: Aus meiner Sicht natürlich ein Must. Aber im Ernst: Die Zeiten sind vorbei, in denen die Unternehmen ohne Rücksicht auf die Umwelt, die Ressourcen oder den Energiebedarf wirtschaften konnten.Wir haben nur diese eine Welt, und wir haben eine Pflicht, dafür zu sorgen, dass auch nachfolgende Generationen in dieser gut leben können. Unternehmen in den Industrieländern müssen hier eine Vorreiterrolle einnehmen und dafür sorgen, dass die Kluft zu den Entwicklungsländern nicht zu groß wird, in denen das Bewusstsein für Umweltschutz oder Energieeinsparung noch nicht so ausgeprägt ist wie bei uns.

KiK: Welchen Beitrag leistet KiK denn konkret zum Umweltschutz?
Ansgar Lohmann: Auf die Plastiktüten und den emissionsfreundlicheren Seeverkehr hatte ich schon hingewiesen. Wir verzichten bei KiK auch auf Umverpackungen und in unseren Filialen setzen wir »Smart Metre« ein, um den tatsächlichen Stromverbrauch zu messen und »Stromfresser« zu finden. Wir rüsten immer mehr Filialen mit energiesparender LED-Beleuchtung um, auch in der Europazentrale in Bönen sowie im Zentrallager wurden bzw. werden demnächst alle Leuchten ausgetauscht. Wir haben den Wasserverbrauch deutlich reduziert und unsere Werbe- und Marketingmaterialien auf Recycling- und FSC-Papier umgestellt. Mit anderen Handelsunternehmen sind wir Teil der »Carbon Performance Improvement Initiative «. Sie zielt darauf, dass schon bei der Herstellung der Waren Energie, Wasser und Chemikalien deutlich reduziert werden.

KiK: Ein Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit ist die Auditierung der Zulieferer. Können Sie beschreiben, wie so etwas abläuft?
Ansgar Lohmann: Wir haben rund 500 Direktlieferanten in mehreren Ländern, vor allem in Asien und der Türkei. Mit den meisten arbeiten wir schon viele Jahre zusammen. Ob ein Lieferant für KiK tätig werden darf, entscheiden der Einkauf und CSR gemeinsam. Der Lieferant muss sich vor Auftragsbeginn schriftlich verpflichten, unseren Verhaltenskodex einzuhalten.

KiK: Was ist im Verhaltenskodex geregelt?
Ansgar Lohmann: Der Kodex ist an die Kernarbeitsnormen der ILO angelehnt und befasst sich mit Sozial- und Umweltstandards. Dazu gehören zum Beispiel konkret: Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeiten, Zahlung der gesetzlichen Mindestlöhne, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, das Verbot von Kinderarbeit und Diskriminierung, die Verpflichtung zum Umweltschutz sowie das Recht auf Vereinigungsfreiheit. Anhand eines umfangreichen Fragenkataloges überprüfen wir in den Audits, ob die Vorgaben eingehalten wurden. Die Audits sind entweder angekündigt oder auch nicht. Sie werden entweder durch KiK-Mitarbeiter bzw. unsere Einkaufsagenten oder durch zertifizierte Auditunternehmen durchgeführt. Dies sind speziell ausgebildete Kontrolleure, meist Einheimische, mit viel Erfahrung. Sie kontrollieren alle relevanten Dokumente, besichtigen das Fabrikgebäude und führen Gespräche mit den Mitarbeitern. Ihre Ergebnisse erhalten wir in Echtzeit dank unserer neuesten IT-Software Setlog.

KiK: Was passiert, wenn das Audit Mängel zutage fördert?
Ansgar Lohmann: In diesem Fall wird ein Korrekturplan erarbeitet, der konkret festlegt, was bis wann zu verändern ist. Die CSR Abteilung überprüft anhand dieses Planes, ob die Maßnahmen im vorgegebenen Zeitrahmen umgesetzt wurden. Ist dies der Fall, dann bleibt die Fabrik Lieferant für KiK. Manchmal erleben wir es allerdings auch, dass die Fabrikbesitzer nicht kooperieren und sich weigern, die Mängel zu beseitigen – sei es, weil ihnen das Geld fehlt oder weil sie genug andere Auftraggeber haben, denen diese Standards nicht so wichtig sind. In diesem Fall kann dies auch eine Beendigung der Beziehung zu dem Lieferanten bedeuten.

KiK: Wie sieht es mit der pakistanischen Fabrik Ali Enterprises aus, die abgebrannt ist?
Ansgar Lohmann: Auch dieses Unglück ist nicht auf mangelnden Brandschutz zurückzuführen. Die Fabrik hatte ein ganz aktuelles SA8000-Zertifikat und war in den Audits niemals wegen mangelhaften Brandschutzes aufgefallen. Der Brand ist den jüngsten Erkenntnissen zufolge auf gezielte Brandstiftung zurückzuführen. Mithilfe von chemischen Brandbeschleunigern ist an mehreren Stellen gleichzeitig Feuer gelegt worden. Deswegen hatten die Beschäftigten fast keine Chance zu entkommen. Einen derartigen terroristischen Anschlag kann leider auch kein Audit verhindern.

KiK: Fast alle Textilunternehmen, auch KiK, verlassen sich auf die Prüfberichte der Audit-Unternehmen. Schieben Sie damit die Verantwortung ab?
Ansgar Lohmann: Egal wie man es macht – Audits an Externe zu vergeben oder sie selbst durchzuführen –, einen Königsweg gibt es nicht. Aber richtig ist, dass wir die Audit-Unternehmen für die Ergebnisse ihrer Prüfungen nicht aus der Verantwortung entlassen dürfen. Aus diesem Grund haben wir unser Audit-Unternehmen verpflichtet, für einen gewissen Zeitraum nach Beendigung des Audits für die Ergebnisse zu haften. Wir sind das erste Textilunternehmen, das es geschafft hat, eine solche Regelung zu vereinbaren. Wir sind sicher, dass sie die Qualität der Audits noch einmal erhöhen wird.

KiK: Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?
Ansgar Lohmann: Wir wollen unser Engagement im Textilbündnis vorantreiben. Wir sind in allen Arbeitsgruppen aktiv, und unser Ziel ist es, die Transparenz in der Lieferkette zu verbessern. Wir wollen den Accord zu einem Erfolg machen. Und wir wollen die Beziehung zu unseren Lieferanten stärken und sie dabei unterstützen, sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze für die Beschäftigten zu schaffen.

KiK: Haben Sie ganz praktische Tipps, wie man im Alltag nachhaltig lebt? Sozusagen eine kleine CSR-Strategie für zu Hause?
Ansgar Lohmann: Jeder kann in seinem privaten Umfeld einen Beitrag leisten: das Fahrrad nehmen statt dem Auto, Fahrgemeinschaften bilden, Ökostrom beziehen, Baumwolltaschen statt Plastiktüten verwenden, weniger Fleisch konsumieren oder Recyclingpapier verwenden. Ideen gibt es viele, und die Umsetzung ist oft sehr einfach!

Wir bedanken uns für das Gespräch.