Social Audits

Social Audits bei KiK – Arbeits- und Menschenrechte durchsetzen

Kein Thema in der Debatte um die Sicherstellung von fundamentalen Arbeits- und Menschenrechten wird so kritisch hinterfragt wie das Instrument der „Social Audits“ – der sicherheitsrechtlichen und sozialen Prüfung von Produktionsfirmen vor Ort.

Galten lange nur Audits durch unabhängige Dritte als glaubwürdig, werden Unternehmen heute aufgefordert, selber zu kontrollieren. Dabei schwankt der geforderte Umfang von der Stichprobe bis zur Vollerfassung der gesamten Lieferkette und bei der Korrektur festgestellter Mängel ist alles drin: Vom Stopp der Lieferbeziehung, über das Zahlen einer Konventionalstrafe bis hin zum Anstoß von Entwicklungsprozessen.

Für die unternehmerische Wirklichkeit bedeutet dies, dass die eigenen Systeme ständig weiterentwickelt und angepasst werden müssen, ohne sich an klaren Vorgaben oder Regelungen orientieren zu können.

Die Folge im Hinblick auf die ungeklärte Frage der Unternehmerhaftung: Ein hohes Risikopotenzial für Unternehmen.

Lieferantenmanagement

KiK fordert gesetzliche Regelungen bei der Unternehmenshaftung

Um an dieser Stelle eine der wesentlichen Forderung von KiK vorweg zu nehmen: Wir halten gesetzliche Regelungen der Unternehmenshaftung für absolut notwendig.

Nur wenn verbindlich geregelt ist, welche Verantwortung Unternehmen für ihre Lieferanten haben und wie Unternehmen belegen können, dass sie ihren Sorgfaltspflichten nachkommen, lassen sich entsprechend robuste Abläufe aufbauen.

Klare Vorgaben für Lieferanten und Produktionsstätten

Und während wir nicht müde werden, diese Forderung in unseren Diskussionen mit Vertretern aus Politik, Branche und Zivilgesellschaft immer wieder zu formulieren, unterhalten wir selbstverständlich ein eigenes umfassendes Lieferantenmanagement-System zur Entwicklung und Kontrolle von Lieferanten und Produktionsstätten. Basis hierfür ist unser „Code of Conduct“, der alle wesentlichen ILO Kernarbeitsnormen enthält und die fundamentalen Menschrechte im Zusammenhang mit Arbeit und Beschäftigung umfasst. Jeder Lieferant, der in unser System aufgenommen werden möchte, muss dieses Dokument unterzeichnen

Kontrolle der Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten

Schon vor der Unterzeichnung steht ein erster – etwas 3 stündiger – Rundgang zur Besichtigung und Bewertung der Produktionsstätte: Sind ausreichend Feuerlöscher installiert? Ist die Produktionsstätte aufgeräumt, sauber und alle Wege frei? Was berichten die Arbeiterinnen und Arbeiter von ihren Arbeitszeiten? Steht genügend Trinkwasser bereit? Und können alle Anwesenden ihr Alter verifizieren und belegen?

Knapp 40% der Produktionskandidaten müssen nachbessern

Werden Mängel sichtbar, muss der Lieferant nachbessern und einen weiteren, unabhängig kontrollierten, Re-Check durchlaufen. Erst wenn sämtliche Mängel abgestellt sind, erfolgt die Autorisierung. Ziel ist es, mögliche Sicherheitsrisiken durch komplett unbekannte Lieferanten so von vornherein auszuschließen. Ein Prozedere, dass durchaus Sinn macht: Immerhin knapp 40 Prozent der potenziellen Produktionskandidaten müssen nachbessern.

Jeder Neu-Lieferant erhält ein Social Audit

Hat der Lieferant diese erste Hürde genommen, erhält er eine Identifikationsnummer und wird in den Lieferantenpool gelistet. Gleichzeitig mit der Vergabe der ID erfolgt die Terminierung eines umfangreichen Audits. Hierfür macht das CSR (Corporate Social Responsibility) Team in der KiK Europazentrale wesentliche Kriterien wie Liefervolumen, kritische Aspekte des Herstellungslandes, Vorhandensein anderer Zertifikate wie SA8000 oder BSCI und legt die Terminierung fest. Ein Lieferant mit beispielsweise hohen Stückzahlen, laufender Produktion und ohne erkennbare CSR Expertise erhält unverzüglich ein Audit. Ein Betrieb mit SA8000 Zertifizierung rutscht dafür nach hinten. Unabhängig von dieser terminlichen Binnendifferenzierung gilt: So schnell wie möglich und in einem Zeithorizont von 3 bis 4 Monaten nach Erhalt einer KiK-ID durchläuft jeder Neu-Lieferant ein Social Audit, weltweit durchgeführt durch unabhängige Zertifizierungsunternehmen.

Inhalte der Social Audits bei KiK

Auf Basis eines umfangreichen Fragebogens werden dabei alle Aspekte unseres CoC inklusive der Fragen von Brandschutz und Gebäudesicherheit geprüft, gesichtet, belegt und abgefragt. Neun Teilbereiche mit insgesamt 130 Prüfpunkten umfasst die eigens entwickelte Matrix. Arbeitszeiten, Mindestlohn, Sozialleistungen und Versammlungsfreiheit, Verbot von Kinderarbeit gehört genauso dazu wie das Prüfen von Brandschutztüren, Gebäudestatik bis hin zu behördlichen Genehmigungen und Umweltlizenzen.

So werden die Daten bei den Social Audits erhoben

Die Daten bei den Social Audits werden durch Befragung des Managements, Einsicht in die Lohnabrechnungen, Interviews von Arbeiterinnen und Arbeiter, Dokumentenprüfungen und vieles mehr erhoben. Insgesamt halten sich die Auditoren hierfür zwischen 1 bis vier Tage vor Ort auf.

Ergebnisse und Entwicklungen werden auf einer zentralen Plattform nachgehalten

Ihre Ergebnisse werden eingepflegt in eine cloud-basierte Supply Chain Software, die die gesamte Lieferantenbeziehung ab Onboarding über Audits inklusive Nachbesserungen, Dokumentenmanagement, Reportings und Ratings abbildet. Lieferanten, Beschaffungsagenturen, Prüfinstitute, Trainings- und Qualifizierungspartner sind in dieses System eingebunden, so dass alle Akteure zentral auf einer gemeinsamen Plattform kommunizieren können.

Die Gesamtnote wird stetig angepasst

Im Mittelpunkt steht dabei immer der Prüfbericht mitsamt Fotodokumentation, in dem die 130 Prüfkriterien unterschiedlich gewichtet den Lieferanten mit einer Gesamtnote bewerten. Abgebildet werden zudem alle Findings und die geforderte Nachbesserungen. Dabei verschlechtert jede Auffälligkeit im Bereich der fundamentalen Rechte – Child labour, Forced/prisoned/bonded labour, Discrimination, Physical/verbal/sexual abusive behavior, Minimum wage violation, Non transparency/falsified documents, Corruption/bribery practice, Addressable fire alarm system with instant power supply, Functional public announce system, Sufficient emergency lights with instant power supply, Sufficient and unobstructed emergency exits with hand railing – das Gesamtergebnis erheblich.

Die Phase des Capacity Building

Der Lieferant erhält klare Vorgaben, was bis wann in welcher Weise zu verbessern ist. Es beginnt die Phase des sogenannten Capacity Building. Dieses basiert auf zwei Säulen: die eine Säule bildet der Corrective Action Plan (Capa) – eine Liste, die der Lieferant abzuarbeiten hat, um die geforderten Nachbesserungen zu erfüllen. Die andere Säule sind die Fabrikbesuche, bei denen mit viel Zeit für Erklärungen und Erläuterungen, Zuhören und Überzeugen das Management geschult wird.  Typische Schulungsinhalte sind dabei optimierte Kapazitätsplanung zur Vermeidung exzessiver Überstunden, Feuerschutzübungen bei der Gebäudesicherheit, Root Cause Analysis und ganz basales Managementtraining. In der Praxis heißt Capacity Building: zeitintensive Besuche der Fabrik durchgeführt von Drittfirmen sowie permanentes Nachhalten von Fristen zur Ergebniskontrolle. Für die Mitarbeiter der CSR Abteilung von KiK eine Aufgabe, die im Durchschnitt zu einer wöchentlichen Ansprache der Lieferanten führt, einen dauerhaften Austausch sicherstellt und durch diese enge Begleitung den Sorgfaltspflichten gerecht wird.

Die Frage der Haftung ist bei KiK geklärt

Bleibt die Frage der Haftung, die KiK – als einziges deutsches Textilunternehmen – eindeutig geklärt hat. Alle Drittfirmen, die mit Zertifizierungen und Qualifizierungen beauftragt werden, haften 90 Tage für ihre Ergebnisse. Diese Zeiträume geben dem Gesamtsystem einen straffen Takt vor, denn es bleiben den Mitarbeitern der CSR Abteilung nur diese 3 Monate, um Ergebnisse zu überprüfen und sich zu vergewissern, dass keine Findings übersehen oder Mängel nicht bearbeitet worden sind. Es entsteht ein enges Ineinandergreifen von Fremd- und Eigenleistungen, das sich verdichtet zu einer umfassenden und systematischen Betreuung der Lieferanten, die nach Ablauf der Gültigkeit des Social-Audits nach einem Jahr von Vorne beginnt!