KiK im Interview mit der TextilWirtschaft: „Wir haben uns geöffnet“

KiK hat sich vom Schlusslicht im Arbeitgeber-Ranking ins Mittelfeld hochgearbeitet. Ein Gespräch mit Personalchef Jörg Oudshoorn über die Erfolgsstrategie.

TW: KiK hat sich in der Arbeitgeberliste von Rang 31 in 2014 auf Rang 12 im aktuellen Gesamtranking nach oben gearbeitet. Wie haben Sie das erreicht?

Jörg Oudshoorn: KiK ist wirtschaftlich sehr erfolgreich, und das nehmen unsere Mitarbeiter wahr. Außerdem haben wir uns gegenüber den Medien geöffnet und beteiligen uns aktiv an Branchendiskussionen. Auch das hilft uns, unser Image zu heben.

TW: Inwieweit hat Ihre im Oktober 2011 gestartete Image-Kampagne, bei der Sie eigene Mitarbeiter zu Testimonials gemacht haben, dabei geholfen?

Jörg Oudshoorn: Mit der Kampagne haben wir uns als Chancen-Geber präsentiert und konnten viele neue Mitarbeiter gewinnen. Denn bei uns zählen nicht die Noten, sondern im Mittelpunkt stehen der Mensch und seine Leistung.

TW: Was waren die größten Neuerungen für Ihre Mitarbeiter?

Jörg Oudshoorn: Vor kurzem haben wir unser neues Bürogebäude eröffnet. Die Räume sind heller und dezenter gestaltet als früher – auch hier setzt sich unser CI-Wechsel von Rot zu Silber weiter durch. Ein großer Pluspunkt ist unser eigenes Parkhaus. Es gibt zudem einen Wintergarten, der zur Kantine umgestaltet wurde.

TW: Davon haben Ihre 18.000 Mitarbeiter in den 3400 Filialen hierzulande aber nichts. 

Jörg Oudshoorn: Das stimmt natürlich. Dafür bieten wir den Mitarbeitern in unseren Filialen gesundheitsfördernde Maßnahmen an. Richtig stolz bin ich auf unsere KiK-Akademie, bei der für jeden Mitarbeiter pro Halbjahr Volkshochschulkurse mit 100 Euro gefördert werden.

TW: Auch für Häkeln oder Harfen-Unterricht?

Jörg Oudshoorn: Ja, der Mitarbeiter kann frei wählen. Die Kreativen unter ihnen nutzen das Angebot beispielsweise für Nähkurse, andere finden in den breit gefächerten Sportangeboten den perfekten Ausgleich zum Arbeitstag. Besonders wichtig ist uns, dass jeder Mitarbeiter die Kurse so wählen kann, dass er persönlich davon profitiert. Und die Resonanz ist riesig. Beliebteste Kurse sind übrigens Sport, Fremdsprachen und Entspannung.

TW: Beim Kriterium „Gutes Betriebsklima“ liegt KiK mit 40% Zustimmung durch die Arbeitnehmer auf Platz 3 und weit über dem Branchenschnitt von 28%. Was haben Sie in diesem Bereich in jüngster Zeit verändert?

Jörg Oudshoorn: Unser Betriebsklima war immer sehr gut, wir hatten immer eine familiäre Atmosphäre, sowohl in der Zentrale als auch auf der Fläche. Nur die öffentliche Meinung war bislang anders. Bei uns ist ja auch insgesamt die Verweildauer mit sechs Jahren im Durchschnitt relativ hoch.

TW: Beim Thema „Sichere Arbeitsplätze“ hat KiK es sogar auf Rang 3 geschafft.

Jörg Oudshoorn: Das liegt sicherlich auch daran, dass wir kommunizieren, wie gut unsere wirtschaftliche Lage ist, wie stark wir entgegen dem Branchentrend wachsen und wie expansiv wir sind. Mit Italien sind wir 2017 in unserem zehnten Land gestartet, dieses Jahr folgt Rumänien. Darüber berichten wir in unserem Blog, unserem Intranet und dem vierteljährlich erscheinenden Mitarbeiter-Magazin. Genauso wie über die Tatsache, dass wir der fünftgrößte Textilanbieter in Deutschland sind.

TW: Aber offensichtlich lässt der Konzern die Mitarbeiter finanziell noch nicht an den wirtschaftlichen Erfolgen teilhaben. Beim Gehaltsniveau ist KiK unverändert auf einem der letzten Plätze. 

Jörg Oudshoorn: Offensichtlich ist die gefühlte Wahrnehmung unter den Mitarbeitern noch eine andere als die tatsächliche Lage.

TW: Wie hoch ist denn das Durchschnittsgehalt?

Jörg Oudshoorn: Bei der Höhe der Gehälter spielt sowohl die Betriebszugehörigkeit als auch die persönliche Leistung eine Rolle. Wir haben viele qualifizierte Jobs, wo wir branchenüblich bezahlen müssen, um geeignete Bewerber zu bekommen. Aber wir sehen erneut, bei diesem Thema müssen wir wohl nochmal ran.

TW: Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? Bekommen Sie genug Bewerbungen?

Jörg Oudshoorn: Wir haben im vergangenen Jahr 17% mehr Bewerbungen im Bereich Aus- und Fortbildung bekommen und 18% mehr Azubis eingestellt. Wir haben eine Übernahmequote von 80%. Also gibt es da im Moment keine Probleme.

TW: Aber Probleme gibt es offensichtlich noch bei der „Attraktivität der verkauften Produkte“. Auch da bleibt KiK in der Rangfolge ganz hinten. Inwieweit sehen Sie hier noch Potenzial?

Jörg Oudshoorn: Wir müssen noch stärker kommunizieren, dass mehr als zehn Millionen Kunden, die monatlich bei uns einkaufen, unsere Produkte lieben. Denn wir bieten gute Qualität zum günstigen Preis. Das zeigen immer wieder Testergebnisse unabhängiger Prüfinstitute, aber auch Produktauszeichnungen wie Oekotex, insbesondere in unserem Babysortiment. Natürlich sind wir als Discounter mit Basicartikeln nicht mit High Fashion oder Fast Fashion-Konzepten vergleichbar. Das möchten wir aber auch nicht sein. Unser Ziel ist es, Kik in jedem europäischen Haushalt zu etablieren – mit alltagstauglichen Waren.

Das Gespräch führte Kirsten Reinhold

Jörg Oudshoorn, Bereichsleiter Personalentwicklung und Vertriebsinnendienst

 Unter folgendem Link finden Sie das Interview im Originallayout:

24.05.2018_TW_Wir haben uns geöffnet

 

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