Voller Einsatz für die perfekte Passform: Die Schnittabteilung bei KiK

Gleiche Größe, gleiches Modell – dann muss auch die Passform gleich sein? Schön wär‘s! Denn die Maße allein sagen noch lange nichts über die eigentliche Passform eines Kleidungsstückes aus. Warum das so ist, erklärt mir die Leiterin der Schnittabteilung, Annette Kowalski, bei meinem Besuch in ihrem Büro – oder vielleicht müsste man angesichts der zahlreichen Kleiderpuppen und Textilien hier eher von einer Art Atelier sprechen.

„KiK war jahrzehntelang ein reines Handelswaren-Unternehmen, das fertige Kleidung beim Produzenten erwarb und dann über das Filialnetz an die die Kundinnen und Kunden weiter verkaufte.“

Klingt praktisch? Hat aber auch seine Tücken!

„Denn so hatte in der Vergangenheit jeder Produktionsbetrieb seinen eigenen Vorgaben.“ Und genau dies fiel negativ auf, wenn die gleichen Basic-Shirts aus verschiedenen Fabriken am Ende nebeneinander im Laden hingen und so ganz und gar nicht gleich aussahen oder saßen.

Genaue Schnittmuster schaffen Kontinuität

Um unseren Kundinnen und Kunden dennoch einheitliche Größen und Schnitte bieten zu können, bedarf es also ganz konkreter Schnittmuster, die den Produktionsunternehmen einheitliche Hilfestellung bieten und klare Vorgaben machen.

Und genau hier kommt seit 2011 – mit der Gründung der Schnittabteilung bei KiK – das Team um Annette Kowalski ins Spiel: „Unser Ziel ist es, eine der Passform zu gewährleisten, damit der Kunde – egal ob im Online-Shop oder in der Filiale – immer die gleiche Größe hat.

Denn auch wenn – vor allem Frauen – ja sehr gerne voll beladen in den Umkleidekabinen verschwinden und durchaus Spaß daran haben, das eine oder andere Teil anzuprobieren: Selbst die motivierteste Shopping-Queen ist genervt, wenn sie jedes Teil in drei Auswahlgrößen testen muss, weil die Modelle immer wieder anders ausfallen.

Selbst etwas aufbauen, statt nur mitarbeiten: Von Hugo Boss zu KiK

Dass diese Aufgabe für Annette Kowalski mehr Leidenschaft als Arbeit ist, spürt man in jedem Satz.

Ganz klassisch mit einer Herren-Schneiderlehre hat sie ihr Handwerk von der Pike auf gelernt, ehe ihr Weg sie über die Modeschule in die Schnittabteilungen verschiedener, Bekleidungsersteller, wie Dressmaster( Steilmann-Gruppe) Esprit, Windsor, zuletzt bei Hugo Boss führte und so manche Erfahrung über 3 Jahrzehnte sammeln konnte.

Die Leiterin der Schnittabteilung bei KiK, Annette Kowalski..
Die Leiterin der Schnittabteilung bei KiK, Annette Kowalski..
Genau Maß nehmen für einheitliche Größen.
Genau Maß nehmen für einheitliche Größen.

Warum dann KiK, frage ich mich angesichts dieses Werdegangs ehrlich gesagt?

„In meinen vorherigen Betrieben war ich ein ‚Rädchen‘ im Betrieb. Passformoptimierte Schnitte gab es hier schon. Meine Aufgabe war es hier, Modellschnitte für die einzelnen Kollektionen zu entwickeln, die Passformen zu optimieren und auf Basis der neuen Trends neue Verarbeitungsrichtlinien festzulegen. Aber hier bei KiK gab es noch gar nichts. Ich konnte von Grund auf planen und alles neu aufbauen. Das hat mich vom ersten Moment an gereizt.“

Wie sieht der Durchschnitts-KiK-Kunde aus?

Die erste Frage, die sich Annette Kowalski und ihr dreiköpfiges Team dabei stellen mussten:
Wie genau sieht „die Durchschnittsfrau“ oder „das Durchschnittskind“ denn eigentlich aus? Und sind diese allgemein-gesellschaftlichen Durchschnittsmenschen auch der Durchschnitt der KiK-Kunden?

Denn ich erfahre schnell: Auch wenn man meinen sollte „Größe 36“ ist eben „36“, passt doch jeder Anbieter seine Größentabellen nochmal individuell auf seinen Zielgruppe an. Bei jungen, modernen Marken z. B. sind die Größen etwas schmaler geschnitten, bei der etwas älteren Zielgruppe etwas weiter.

Der Grundschnitt gibt Orientierung

Dementsprechend wurden dann auch die KiK-Größen festgelegt. Dabei bestimmt man einen „Grundschnitt“, der dann in den jeweiligen Größensprüngen wächst.

Aus dem Grundschnitt lassen sich nun beliebig andere Modelle ableiten. Weiter fallende Blusen mit Biesen, Puffärmeln oder einem kragenlosen Ausschnitt. Ausgangs-Basis ist immer der optimierte Grundschnitt.

Eine ganze KiK-Familie aus Büsten für die Anprobe

Natürlich passiert das aber nicht alles nur auf dem Schreibtisch oder am Computer. Da es allerdings etwas schwierig wäre, stets Frauen, Männer und Kinder mit allgemeintypischen Maßen zur Anprobe zu bitten, arbeitet die Schnittabteilung in der Praxis zumeist mit Büsten.

Mittlerweile hat sich so eine richtige kleine KiK-Puppen-Familie angesammelt. Mann und Frau in einer schlanken und einer PlusSize-Variante, sowie ein Baby (Gr. 74), ein Kleinkind (Gr. 104), und ein älterer Junge und ein älteres Mädchen( beides Gr. 140).

Ab und an schlüpfen aber natürlich trotzdem auch echte Models in die Kleidungsstücke. „Für uns ist die Arbeit mit der Büste Routine, aber den meisten anderen fällt es deutlich leichter, einen Pullover oder ein Kleid an lebendigen Personen zu beurteilen, die sich auch darin bewegen“, erklärt Annette Kowalski und richtet im Vorbeigehen den Kragen aus Papier, der gerade zur Probe an einer der Büsten abgesteckt wurde.