Das Ziel vor Augen

Bader Kayali ist 23 Jahre alt und vor dreieinhalb Jahren als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland gekommen. Nach seinem Ausbildungsabschluss als Verkäufer befindet er sich nun im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel bei der KiK Textilien und Non-Food GmbH in Stade. Kirill Ulitskiy sprach mit ihm über seine Erfahrungen.

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Wie sind Sie zu dem Ausbildungsplatz gekommen?

Ich habe mich bei vielen Unternehmen beworben, aber der Erfolg blieb aus. Von einer IHK-Mitarbeiterin, die ich persönlich kannte, habe ich eine Einladung zum Azubi-Speeddating in Stade bekommen und bin hingegangen. Es war für mich eine große Herausforderung, mich in nur zehn Minuten zu präsentieren, besonders dann, wenn man die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrscht. Doch es hat geklappt! Nach einem darauffolgenden Gespräch mit dem Bezirksleiter habe ich meine Ausbildung bei KiK begonnen.

Entsprach die Ausbildungsrealität Ihren Erwartungen?

Mein Onkel betreibt ein Großhandelsunternehmen in der Türkei. Bereits als Jugendlicher habe ich ihn in der Firma unterstützt und somit meine ersten Berufserfahrungen gesammelt. Doch im Einzelhandel in Deutschland läuft es ganz anders. Ich habe jeden Tag in der Filiale mit vielen Kunden zu tun, die sich eine ausführliche und fachgerechte Einzelberatung wünschen. Einen Fehler kann ich mir dabei nicht leisten, denn der Kunde ist König.

Was ist Ihnen besonders schwer gefallen?

Ganz am Anfang fehlten mir die Fachbegriffe. Daher hatte ich sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule erhebliche Schwierigkeiten.

Was hat Ihnen letztlich geholfen?

Zusammen mit meiner Teamleiterin haben wir die Fachsprache geübt. Sie hat mich bei der Durchführung von Inventuren oder Warenbestellungen aktiv unterstützt. Auch weitere Kolleginnen und Kollegen haben mir immer wieder geholfen, wenn ich etwas nicht verstanden hatte. Ohne diese intensive Betreuung hätte ich meine Prüfungen nicht bestanden. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich.

Darüber hinaus bekam ich wöchentliche Unterstützung im Rahmen von „ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH)“. Das hat mir ebenfalls sehr geholfen. Das mündliche Fachgespräch in der Abschlussprüfung zum Verkäufer habe ich übrigens mit einer Eins bestanden!

Außerdem habe ich immer wieder den Kontakt mit Einheimischen gesucht, zum Beispiel im Willkommens-Café in Stade.

Wie geht es weiter?

Nach der Ausbildung möchte ich mich um eine Stelle in der KiK-Zentrale bewerben. Mein Wunsch ist es, im Bereich Einkauf tätig zu werden und für den Betrieb international unterwegs zu sein. Ich bin überzeugt, dass mir das gelingt. Denn wenn man ein Ziel hat, dann schafft man es auch – das ist mein Lebensmotto.

Die Firma KiK betont, dass sie immer offen für Bewerber mit vielfältigen Lebensläufen ist. Für ihre Filialen suche sie Teamplayer, die Spaß an Mode und Menschen haben. „Das ist uns wichtiger als eine vollständige Erwerbsbiographie oder exzellente Abschlüsse“, so Ulrike Weßel von der KiK-Unternehmenskommunikation. Für die Integration von Geflüchteten sei zudem das familiäre Betriebsklima bei KiK ein echter Gewinn: Mit der Hilfe und Unterstützung von Kollegen sei das Ankommen viel einfacher. Weßel: „Wir freuen uns sehr, dass dies bei Herrn Kayali so gut gelungen ist. Seine Einsatzbereitschaft, Freundlichkeit im Umgang mit Kunden und Fleiß ist überzeugend.“